Couscoussier: Braucht man ihn wirklich?

Couscoussier: Braucht man ihn wirklich?

Der Couscoussier ist eines der Geräte, an denen sich Küchenphilosophien scheiden. Die eine Seite sagt, ohne ihn sei richtiger Couscous unmöglich. Die andere kocht seit Jahren zufrieden mit Instantware aus der Packung und versteht die Aufregung nicht. Beide haben ein bisschen recht, und beide reden über verschiedene Gerichte.

Dieser Artikel klärt, was so ein Topf technisch leistet, wann sich die Anschaffung tatsächlich lohnt und mit welchen Behelfslösungen aus einer normalen deutschen Küche du sehr nah ans Original kommst. Und er sagt dir, worauf du achten musst, wenn du dich für den Kauf entscheidest, denn zwischen den erhältlichen Modellen liegen mehr Unterschiede, als man auf dem Foto sieht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Nudeltopf mit Siebeinsatz, ausgelegt mit einem Mulltuch, ersetzt ihn für die meisten Haushalte vollständig.
  • Der wichtigste Punkt ist nicht der Topf, sondern die Dichtigkeit an der Verbindungsstelle, weil dort sonst der halbe Dampf entweicht.
  • Ein Dampfgarer oder ein Backofen mit Dampffunktion kann Couscous erstaunlich gut, wenn du eine gelochte Garschale mit Tuch verwendest.
  • Wenn du dir einen zulegst: Edelstahl ist auf deutschen Herden praktischer als das traditionelle Aluminium, vor allem bei Induktion.

Was ein Couscoussier eigentlich ist

Ein Couscoussier besteht aus zwei Teilen. Unten steht ein bauchiger, hoher Topf, in dem die Brühe mit Fleisch und Gemüse kocht. Darauf sitzt ein zweiter Topf mit gelochtem Boden, in den der Grieß kommt. Ein Deckel gehört meistens dazu, wird beim Dämpfen aber oft weggelassen.

Das Prinzip ist simpel und kombiniert zwei Dinge, die sonst zwei Geräte bräuchten:

  • Unten entsteht das eigentliche Gericht, also Brühe, Fleisch und Gemüse.
  • Oben gart der Grieß im aufsteigenden Dampf und nimmt dabei das Aroma von unten mit auf.

Genau der zweite Punkt ist der Unterschied, den man schmeckt. Grieß, der in heißem Wasser quillt, nimmt Wasser auf. Grieß, der über einer Fleisch- und Gemüsebrühe dämpft, nimmt Aroma auf. Dazu kommt die Textur: Beim Dämpfen bleiben die Körner einzeln und locker, beim Quellen kleben sie leichter zusammen.

Die Lochung im Oberteil ist dabei feiner, als man denkt. Sie muss Dampf durchlassen, aber die aufgequollenen Körner zurückhalten, sobald sie dicker werden.

Die kurze Antwort: nein, du brauchst ihn nicht

Für die allermeisten Haushalte ist ein Couscoussier ein Komfortgerät, kein Muss. Der Grund ist, dass sich der gelochte Aufsatz mit Dingen ersetzen lässt, die in vielen deutschen Küchen schon stehen.

Ein Couscoussier lohnt sich für dich, wenn mindestens zwei dieser Punkte zutreffen:

  • Du kochst mehrmals im Monat Couscous, nicht zweimal im Jahr.
  • Du kochst regelmäßig für sechs Personen oder mehr, wo Behelfslösungen an ihre Grenzen kommen.
  • Du dämpfst auch sonst gern, also Gemüse, Kartoffeln, Fisch oder Reis.
  • Du hast Platz. Das Ding ist hoch und lässt sich schlecht verstauen.

Er lohnt sich eher nicht, wenn du Couscous vor allem als schnelle Beilage benutzt. Für die Packung, die in fünf Minuten mit heißem Wasser fertig ist, brauchst du überhaupt keinen Topf, sondern nur eine Schüssel mit Deckel. Das ist ein anderes Produkt als handgedämpfter Couscous, und für einen Salat oder eine schnelle Beilage ist es völlig in Ordnung.

Was du stattdessen benutzen kannst

Die verbreitetste Ersatzlösung ist ein hoher Topf mit einem passenden Sieb oder Einsatz obendrauf. In der Reihenfolge, wie gut es funktioniert:

  1. Pastatopf mit Siebeinsatz. Der Einsatz sitzt schon passgenau im Topf, das ist der halbe Erfolg. Die Löcher sind meist zu groß, deshalb legst du ihn mit einem Mulltuch, einem Passiertuch oder einem sauberen dünnen Geschirrtuch aus.
  2. Metallsieb im Topf. Ein großes, halbrundes Küchensieb aus Edelstahl, das im Topfrand hängt, ohne die Flüssigkeit zu berühren. Ebenfalls mit Tuch auslegen.
  3. Dampfeinsatz aus dem Asia-Markt. Ein Bambusdämpfer über einem Topf, ausgelegt mit einem Baumwolltuch. Funktioniert gut, riecht aber nach ein paar Einsätzen nach Bambus.
  4. Dampfgarer oder Backofen mit Dampffunktion. Gelochte Garschale mit Tuch auslegen, Grieß hineingeben, bei 100 °C dämpfen. Nachteil: Es fehlt der Aromadampf von unten, du kochst Brühe und Gemüse dann separat.

Was nicht funktioniert: der kleine aufklappbare Gemüsedämpfer aus Edelstahl. Er ist zu klein und liegt zu tief, der Grieß landet im Wasser. Auch ein Sieb mit sehr feiner Gaze allein ist schlecht, weil kaum Dampf durchkommt.

Der eigentliche Trick: die Verbindungsstelle abdichten

Der häufigste Fehler bei Behelfslösungen ist nicht das Sieb, sondern der Spalt zwischen Topf und Aufsatz. Wenn dort Dampf seitlich entweicht, geht er nicht durch den Grieß, und der bleibt oben hart, während unten alles matscht.

Drei Methoden, die sich bewährt haben:

  • Teigwulst. Mehl mit etwas Wasser zu einer festen Paste kneten, zu einer Rolle formen und wie eine Dichtung in die Fuge drücken. Das ist die traditionelle Lösung, kostet zwei Minuten und dichtet perfekt.
  • Feuchtes Tuchband. Ein Streifen aus einem alten Geschirrtuch, nass gemacht, ausgewrungen und um die Fuge gewickelt. Achte darauf, dass keine Zipfel neben die Flamme oder auf das heiße Feld hängen.
  • Alufolie. Ein Streifen doppelt gefaltet und fest um die Fuge gelegt. Am schnellsten, hält aber schlechter als die anderen beiden.

Zweite Regel: Die Flüssigkeit unten darf den Boden des Aufsatzes nicht berühren. Zwischen Brühe und Sieb sollten ein paar Zentimeter Luft bleiben. Und lass den Deckel weg oder leg ihn nur locker auf, damit kein Kondenswasser zurück in den Grieß tropft.

Was der Topf sonst noch kann

Falls du überlegst, ob sich die Anschaffung rechnet: Ein Couscoussier ist kein Ein-Zweck-Gerät, wenn man ihn nicht als solches behandelt.

  • Das Unterteil ist ein ganz normaler hoher Topf für Brühe, Suppe, Nudeln oder Marmelade.
  • Der gelochte Aufsatz dämpft Kartoffeln, Möhren, Blumenkohl, Brokkoli und grüne Bohnen, alles gleichzeitig und ohne dass Vitamine ins Kochwasser gehen.
  • Fisch über einem Sud aus Zwiebel, Zitrone und Kräutern wird darin sehr schonend gar.
  • Auch marokkanische Dampfgerichte wie ganz gedämpftes Lamm oder gedämpfte Kartoffeln mit Kreuzkümmel entstehen genau hier.
  • Reis lässt sich darin ebenfalls dämpfen, wenn du ihn vorher einweichst.

Wer im Herbst und Winter viel Gemüse verarbeitet, kommt in einer deutschen Küche schnell auf mehrere Einsätze pro Woche. Damit relativiert sich die Platzfrage.

Worauf du beim Kauf achtest

Erhältlich sind Couscoussiers in arabischen und türkischen Lebensmittel- und Haushaltsläden, in Kochfachgeschäften und in gut sortierten Haushaltswarenabteilungen. Wichtiger als die Optik sind vier Punkte:

  1. Material. Traditionell ist Aluminium: leicht, günstig, schnell heiß. Es ist aber nicht induktionsgeeignet, gehört nicht in die Spülmaschine und verfärbt sich mit der Zeit. Edelstahl ist schwerer und teurer, dafür unempfindlich, spülmaschinenfest und mit passendem Boden auch für Induktion geeignet. Prüf beim Kauf mit einem Magneten, ob der Boden magnetisch ist, sonst bleibt dein Induktionsfeld dunkel.
  2. Passform. Setz den Aufsatz auf und schau dir die Fuge an. Je enger, desto weniger musst du später abdichten. Ein starkes Wackeln ist ein Ausschlusskriterium.
  3. Lochung. Die Löcher sollten klein und gleichmäßig sein, ungefähr im Bereich von zwei bis drei Millimetern. Große, unregelmäßige Löcher lassen Grieß durchfallen.
  4. Größe. Für vier Personen reicht ein Unterteil um die fünf bis sechs Liter, für größere Runden wird es zweistellig. Miss vorher die Höhe deiner Dunstabzugshaube und der Hängeschränke, diese Töpfe sind aufgesetzt schnell vierzig Zentimeter hoch.

Als grober Anhaltspunkt: Einfache Modelle aus Aluminium liegen im unteren zweistelligen Bereich, Edelstahl deutlich darüber. Die Preise schwanken je nach Größe und Verarbeitung erheblich, nimm das nur als Größenordnung.

Und der Grieß selbst? Darauf kommt es mehr an

Ehrlich gesagt entscheidet die Ware im Beutel mehr über das Ergebnis als der Topf. Im deutschen Supermarkt steht fast ausschließlich vorgegarter Couscous, oft mit dem Hinweis, dass er nur mit heißem Wasser übergossen werden muss. Der lässt sich zwar auch dämpfen, ist dabei aber schnell zu weich, weil er die Vorbehandlung schon hinter sich hat.

In arabischen und türkischen Lebensmittelläden bekommst du nicht vorgegarten Couscous aus Hartweizengrieß, oft in großen Beuteln und in verschiedenen Körnungen: fein, mittel und grob. Mittel ist der Standard für ein klassisches Couscous-Gericht. Woran du gute Ware erkennst: gleichmäßige Körnung, kein Mehlstaub im Beutel, leicht gelbliche Farbe.

Wenn du mit Instantware und einer Schüssel anfängst und irgendwann merkst, dass dir Textur und Aroma fehlen, ist das der Moment, an dem sich das Dämpfen lohnt. Fang dann mit dem Nudeltopf an, den du schon hast. Wenn du danach immer noch Lust darauf hast, kauf den Couscoussier. In der Reihenfolge machst du keinen Fehlkauf.

Häufige Fragen

Was ist ein Couscoussier?

Ein Couscoussier ist ein zweiteiliger Dämpftopf: Unten kochen Brühe, Fleisch und Gemüse, oben sitzt ein Topf mit gelochtem Boden, in dem der Grieß im aufsteigenden Dampf gart. Dadurch nimmt der Couscous das Aroma des Gerichts auf und bleibt locker.

Kann ich Couscous auch ohne Couscoussier dämpfen?

Ja. Ein hoher Topf mit einem Siebeinsatz oder einem großen Metallsieb obendrauf funktioniert gut, wenn du den Einsatz mit einem Mulltuch auslegst. Wichtig ist, dass die Flüssigkeit den Siebboden nicht berührt und die Fuge zwischen Topf und Sieb abgedichtet ist.

Aus welchem Material sollte ein Couscoussier sein?

Aluminium ist traditionell, leicht und günstig, aber nicht induktionsgeeignet und nicht spülmaschinenfest. Edelstahl ist schwerer und teurer, dafür robuster und mit passendem Boden auch auf Induktionsfeldern nutzbar. Prüf im Laden mit einem Magneten, ob der Boden magnetisch ist.

Wie dichte ich einen Couscoussier ab?

Am besten mit einer Rolle aus Mehl und Wasser, die du wie eine Dichtung in die Fuge drückst. Alternativ funktioniert ein feuchtes Tuchband oder ein doppelt gefalteter Streifen Alufolie. Ohne Abdichtung entweicht seitlich so viel Dampf, dass der Grieß oben trocken bleibt.

Welche Größe brauche ich für vier Personen?

Ein Unterteil mit etwa fünf bis sechs Litern reicht für vier Personen samt Fleisch und Gemüse. Miss vorher die Höhe unter deiner Dunstabzugshaube, denn aufgesetzt kommen solche Töpfe schnell auf rund vierzig Zentimeter.

Schmeckt gedämpfter Couscous wirklich anders als Instant-Couscous?

Ja, in Textur und Aroma. Gedämpfter Grieß bleibt körnig und locker und nimmt den Duft der Brühe auf, während vorgegarter Couscous vor allem Wasser aufnimmt. Für einen schnellen Salat oder eine Beilage ist die Instantvariante trotzdem völlig brauchbar.

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