Nana-Minze: Welche Minze in den marokkanischen Tee gehört

Nana-Minze: Welche Minze in den marokkanischen Tee gehört

Wer marokkanischen Minztee zum ersten Mal zu Hause nachbaut, nimmt meist Pfefferminze aus dem Supermarkt und wundert sich dann. Das Getränk schmeckt scharf, kühl und ein wenig nach Zahnpasta, aber nicht nach dem Glas aus Marokko. Der Fehler liegt selten am Tee und selten am Zucker. Er liegt an der Minze.

In Marokko landet eine ganz bestimmte Sorte in der Kanne: Nana. Hier steht, was Nana Minze botanisch ist, wie du sie von der Pfefferminze unterscheidest, wo du sie in Deutschland bekommst und wie viel davon in eine Kanne mit einem halben Liter gehört.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nana ist eine Sorte der Grünen Minze (Mentha spicata) und schmeckt mild und süßlich, weil Carvon und nicht Menthol den Ton angibt.
  • Pfefferminze ist die häufigste Fehlbesetzung: Ihr Menthol überdeckt den Grüntee und wird beim längeren Ziehen schnell bitter.
  • Als Kübelpflanze ist sie anspruchslos und winterhart, treibt aber unterirdisch aus und gehört deshalb nie ins offene Beet.
  • Zwischen Oktober und April gibt es kaum frische Ware; getrocknete Minze aus dem türkischen Laden ist dann die praktikable Lösung.

Was Nana-Minze botanisch eigentlich ist

Nana ist keine eigene Pflanzenart, sondern eine Sortengruppe der Grünen Minze, botanisch Mentha spicata. Im Deutschen heißt diese Art auch Ährenminze oder Krauseminze, im Englischen Spearmint. Das arabische Wort naana bedeutet schlicht Minze, in Marokko meint es aber im Alltag immer diese eine Sorte, die in den Tee gehört.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Chemie. In der Grünen Minze dominiert Carvon, ein Aromastoff, der süßlich und krautig riecht und den viele aus Kaugummi kennen. Menthol, der kühlende Stoff der Pfefferminze, kommt darin nur in Spuren vor. Deshalb schmeckt Nana weich und rund statt scharf und kalt. Genau das braucht der Tee: Die Minze soll den Grüntee tragen, nicht überdecken.

Dabei wächst in Marokko keine normierte Einheitssorte. Was die lokalen Varianten eint, ist die Zugehörigkeit zur Grünen Minze. Hast du hier eine Mentha spicata im Topf, bist du sehr nah dran.

Nana oder Pfefferminze: der Unterschied im Glas

Pfefferminze, botanisch Mentha × piperita, ist eine Kreuzung aus Wasserminze und Grüner Minze. Ihr Mentholgehalt ist um ein Vielfaches höher. Im Tee macht sich das doppelt bemerkbar: Der Kühleffekt legt sich über alles andere, und die Blätter geben bei längerem Ziehen in heißem Zuckerwasser rasch Bitterstoffe ab. Nach zehn Minuten in der Kanne ist Pfefferminztee zusammenziehend, Nana-Tee bleibt trinkbar.

Wenn du im Laden vor Kräutertöpfen stehst, hilft dieser Dreischritt:

  • Etikett lesen. Steht dort Mentha spicata, Grüne Minze, Marokkanische Minze oder Krauseminze, greif zu. Steht dort Mentha × piperita oder Pfefferminze, lass sie stehen.
  • Blatt ansehen. Grüne Minze hat hellere, spitz zulaufende Blätter, die fast ohne Stiel direkt am Trieb sitzen und oft leicht gewellt sind. Pfefferminze hat dunklere Blätter mit kurzem Stielchen, die Stängel laufen häufig rötlich an.
  • Blatt zwischen den Fingern reiben und riechen. Süßlich und kaugummiartig heißt Grüne Minze. Wenn dir beim Einatmen die Nase kalt wird, hältst du Pfefferminze in der Hand.

Der Pfefferminztee im Supermarktregal ist für diesen Zweck also der falsche Ausgangspunkt. Krauseminze dagegen, in deutschen Gärten weit verbreitet, ist botanisch dieselbe Art wie Nana und ein brauchbarer Ersatz.

Wo du in Deutschland an Nana-Minze kommst

Frische Nana ist hierzulande leichter zu bekommen, als viele denken.

  • Türkische, arabische und persische Lebensmittelläden. Die beste und meist günstigste Quelle. Dort liegen große Bunde frischer Minze in der Gemüseabteilung, oft ganzjährig, und daneben stehen Tüten mit getrockneter Minze. Auf Türkisch heißt sie nane, auf Arabisch naana.
  • Wochenmärkte. Von Mai bis September haben Gärtnereistände Minze im Bund.
  • Supermarkt. In der Frischekräuterabteilung stehen Töpfe schlicht mit Minze beschriftet. Was drin ist, verrät nur das Kleingedruckte auf der Banderole oder der Geruchstest.
  • Gartencenter und Baumärkte. Ab etwa April gibt es Jungpflanzen, häufig unter dem Namen Marokkanische Minze. Eine einzige deckt eine Teetrinker-Saison locker ab.
  • Bioläden. Führen oft getrocknete Grüne Minze als lose Ware, praktisch für den Winter.

Von Saatgut würde ich abraten. Minzen kreuzen sich bereitwillig, aus Samen gezogene Pflanzen fallen selten sortenrein aus, und das merkst du erst nach Wochen. Kauf lieber einmal eine Pflanze oder besorg dir einen Steckling.

Bei frischer Ware achtest du auf kräftig grüne, pralle Blätter ohne schwarze Ränder und auf Stängel, die nicht schlaff herunterhängen.

Selbst ziehen: Kübel, Balkon, Fensterbank

Minze ist eine der dankbarsten Pflanzen überhaupt und in fast ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz im Freien winterhart. Sie zieht im Herbst ein, sieht dann monatelang aus wie tot und treibt im April wieder aus.

Eine Regel steht über allen anderen: immer in den Topf, nie ins offene Beet. Minze breitet sich über unterirdische Ausläufer aus und übernimmt binnen zwei, drei Jahren ein ganzes Kräuterbeet. Wenn sie unbedingt ins Beet soll, dann nur mit eingegrabener Wurzelsperre.

  • Gefäß: mindestens fünf Liter, besser zehn. Je größer der Topf, desto mehr erntest du.
  • Standort: sonnig bis halbschattig. Auf dem Südbalkon lieber etwas Nachmittagsschatten, sonst brennen die Blattränder.
  • Wasser: gleichmäßig feucht halten, Staunässe vermeiden. Im Hochsommer heißt das tägliches Gießen.
  • Schnitt: regelmäßig ganze Triebe über einem Blattpaar abschneiden, dann verzweigt sich die Pflanze. Blütenknospen entfernst du, sobald sie sich zeigen, denn während der Blüte lässt das Blattaroma nach.
  • Vermehrung: Trieb abschneiden, unteres Blattwerk entfernen, ins Wasserglas stellen. Nach ein bis zwei Wochen sind Wurzeln da.

Zum Überwintern stellst du den Topf an eine geschützte Hauswand, packst ihn in Vlies oder Jute und lässt ihn nicht völlig austrocknen. In rauen Lagen, etwa im Alpenraum, ist ein frostfreier Keller die sicherere Wahl. Eine Minze im warmen Wohnzimmer über den Winter zu bringen, funktioniert dagegen selten: Sie vergeilt bei wenig Licht und zieht Blattläuse an.

Frisch halten, trocknen, einfrieren

Ein großer Bund hält länger, als man ihm ansieht. Stell ihn wie einen Blumenstrauß in ein Glas Wasser, stülp locker eine Tüte darüber und lass ihn im Kühlschrank stehen. Alle zwei Tage das Wasser wechseln, dann bleiben die Blätter tagelang knackig. Was du nicht tun solltest: die Minze nass in eine geschlossene Dose legen. Dann wird sie binnen eines Tages schwarz.

Fürs Trocknen gibt es drei Wege:

  1. Luft. Kleine Bündel zusammenbinden, kopfüber an einen dunklen, luftigen Ort hängen, ein bis zwei Wochen. Die geschmacklich beste Methode.
  2. Backofen. Bei 40 bis 50 Grad Umluft auf einem Blech, einen Holzlöffel in die Ofentür klemmen, damit Feuchtigkeit entweicht. Nach zwei bis drei Stunden prüfen. Heißer darf es nicht werden, sonst verfliegen die ätherischen Öle.
  3. Dörrautomat. Falls vorhanden die bequemste Variante, ebenfalls niedrig eingestellt.

Fertig ist die Minze, wenn die Blätter rascheln und leicht vom Stängel fallen. Bewahre sie ganz in einem dunklen Schraubglas auf und zerreib sie erst beim Aufgießen. Einfrieren funktioniert zwar, die aufgetauten Blätter werden aber dunkel und weich: für Sirup und Joghurt in Ordnung, für Tee nur zweite Wahl.

So kommt die Minze richtig in die Kanne

Marokkanischer Tee besteht aus drei Dingen: chinesischem Gunpowder-Grüntee, Nana und Zucker. Gunpowder ist gerollter grüner Tee, dessen Blätter wie kleine Kugeln aussehen. Du bekommst ihn in türkischen und arabischen Läden, in Teefachgeschäften und zunehmend auch im gut sortierten Supermarkt.

Für eine Kanne mit einem halben Liter, das ist die gängige Größe in deutschen Haushalten und reicht für vier kleine Gläser:

  1. Einen gehäuften Teelöffel Gunpowder in die Kanne geben, etwa vier bis fünf Gramm.
  2. Einen Schluck kochendes Wasser darüber, kurz schwenken, nach etwa zwanzig Sekunden abgießen. Das nimmt Staub und einen Teil der Bitterkeit.
  3. Die Kanne mit kochendem Wasser auffüllen und zwei bis drei Minuten ziehen lassen.
  4. Erst jetzt eine große Handvoll Nana hineindrücken, Stiele und alles, ungefähr fünfzehn bis zwanzig Gramm. Zucker dazu: In Marokko reichlich, als Startpunkt zwei bis vier Teelöffel.
  5. Weitere zwei bis drei Minuten ziehen lassen, dann zwei- bis dreimal ein Glas voll abgießen und zurück in die Kanne schütten. Das mischt und belüftet.
  6. Aus deutlicher Höhe eingießen, damit sich die Schaumkrone bildet.

Zwei Punkte, die hier oft übersehen werden. Erstens das Wasser: In weiten Teilen Deutschlands ist das Leitungswasser hart und kalkreich, und das legt einen stumpfen Schleier über den Grüntee. Gefiltertes oder mineralarmes stilles Wasser macht einen spürbaren Unterschied. Zweitens die Kanne: Traditionell wird sie auf der Flamme aufgekocht, auf einem Induktionsfeld geht das nur mit magnetischem Boden. Verchromte Dekokannen gehören ohnehin nicht auf die Platte, und in einer normalen Teekanne gelingt der Tee genauso.

Und: Lass die Minze nie mitkochen, sonst kippt der Geschmack ins Bittere.

Was sonst noch in die Kanne kommt und wo Nana in der Küche auftaucht

Nana ist die Sommerminze. Wenn sie in Marokko in der kalten Jahreszeit nicht verfügbar ist, greifen viele Haushalte zu anderen Kräutern, oft zusätzlich zu ein wenig getrockneter Minze:

  • Wermut, auf Marokkanisch chiba, gibt dem Wintertee einen kräftigen, bitteren Ton. Ein einziger kleiner Zweig für eine ganze Kanne reicht völlig, mehr macht den Tee ungenießbar bitter.
  • Zitronenverbene, im Handel auch Verveine, ist mild und zitrisch und wird gern mit Minze gemischt. In deutschen Gartencentern gibt es sie als Kübelpflanze, winterhart ist sie allerdings nicht.
  • Salbei, sparsam dosiert, taucht ebenfalls im Wintertee auf.

In der Küche selbst spielt Minze in Marokko eine kleinere Rolle, als der Ruf des Landes vermuten lässt. Petersilie und Koriander stehen im Alltag klar vorn. Wo Nana aber hingehört: in den Orangensalat mit Zimt, in einen Tomaten-Zwiebel-Salat, über gebratene Zucchini und in Joghurt zu scharf gewürztem Hackfleisch. Immer frisch und erst am Schluss, denn gekocht verliert sie genau das, wofür man sie nimmt.

Häufige Fragen

Ist Nana Minze dasselbe wie Pfefferminze?

Nein. Nana gehört zur Grünen Minze (Mentha spicata) und schmeckt süßlich und mild, weil Carvon das Hauptaroma stellt. Pfefferminze ist eine Kreuzung mit hohem Mentholgehalt und wirkt deutlich schärfer und kühlender. Für marokkanischen Tee ist Pfefferminze die falsche Wahl, weil sie den Grüntee überdeckt und schnell bitter wird.

Wo bekomme ich Nana Minze in Deutschland?

Am zuverlässigsten in türkischen, arabischen und persischen Lebensmittelläden, wo frische Minze meist ganzjährig im Bund liegt. Gartencenter und Baumärkte verkaufen ab dem Frühjahr Jungpflanzen, oft unter dem Namen Marokkanische Minze. Im Supermarkt musst du bei Kräutertöpfen die Banderole lesen, weil dort häufig Pfefferminze steht.

Welche Minze kann ich ersatzweise für marokkanischen Tee nehmen?

Krauseminze ist die beste Alternative, denn sie gehört botanisch zur selben Art wie Nana. Auch Apfelminze oder Ananasminze funktionieren, sie sind milder und etwas fruchtiger. Von Pfefferminze solltest du absehen, und wenn es gar nicht anders geht, nimm nur wenige Blätter und lass sie kürzer ziehen.

Wie viel Minze kommt in eine Kanne Tee?

Für einen halben Liter rechnest du mit einer großen Handvoll frischer Minze, ungefähr fünfzehn bis zwanzig Gramm mitsamt Stielen. Bei getrockneter Minze reichen ein bis zwei Teelöffel. Die Minze kommt erst nach dem Grüntee in die Kanne und zieht dort nur zwei bis drei Minuten mit.

Ist Nana Minze winterhart?

Ja, in den meisten Lagen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz überwintert sie im Freien. Sie zieht oberirdisch komplett ein und treibt im April wieder aus. Im Topf packst du sie in Vlies oder Jute, stellst sie geschützt an eine Hauswand und lässt den Wurzelballen nicht völlig austrocknen.

Kann ich getrocknete Minze für marokkanischen Tee verwenden?

Ja, im Winter ist das in Marokko selbst üblich. Getrocknete Minze schmeckt etwas herber und weniger frisch, funktioniert aber gut, besonders wenn du die Blätter ganz kaufst und erst beim Aufgießen zerreibst. Türkische Läden führen sie als nane, Bioläden als Grüne Minze.

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